Lianus arbeitete in einer der zahllosen Schmieden und half den schwer arbeitenden Männern und Frauen dabei neues Kriegsgerät zu bauen als ihm ein Brief überreicht wurde.
Er sah das Siegel der Cyrsine Kirche und jenes von Valerian als er ihn mit düsteren Vorahnungen öffnete.

Er las:

Hochgeschätzter Tae-Inea Lianus Dowen.

Es ist ein schwarzer Schatten über die Lande Whenuas gezogen. Während wir alles daran gesetzt haben, den feigen Mörder unseres Lordprotektors der gerechten Strafe zuzuführen, hat Fly Silberklinge Ostarium in Schutt und Asche gelegt. Trotz zahlreicher Opfer ist es gelungen , viele der Bewohner zu evakuieren. Die meisten konnten sich jedoch nur mit dem notwendigsten am Leib retten. Es ist im positiven Sinne anzumerken, dass wir uns glücklich schätzen können, diesen Vorfall im Frühjahr erleben zu müssen. Unsere oberste Priorität gilt nun der Versorgung der Überlebenden. Es ist uns nicht möglich, in kurzer Zeit für alle Flüchtenden Einwohner Schlafstatt und Essen zur Verfügung zu stellen. Auch sind wir nicht in der Lage bis zum Winter geeignetes Quartier für soviele Menschen errichten zu können, alleine schon deshalb, da wir die benötigte Menge an Stein oder Holz nicht zur Verfügung haben werden. Ich weiss auch um die Spannungen zwischen Tralea und Whenua bescheid und bin überzeugt, diese Spannungen basieren auf mangelnder Information und Fehlinterpretationen beiderseits. Ob dieser Entwicklungen ist es unwahrscheinlich, daß Whenua offen um Unterstützung bitten wird. Dies hindert mich allerdings nicht daran dies im Namen der Kirche der Cyrsine zu tun. Ich bitte hiermit offiziell um Unterstützung bei der Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge aus Ostarium an. Wir haben es mit ca. 90.000, meist Alte, Frauen und Kindern zu tun und ich fürchte, wenn wir bis zum Winter die Anzahl der festen Quartiere nicht im ausreichenden Maße zur Verfügung stellen, werden viele von ihnen das nächste Jahr nicht erleben. Ich konnte die beeindruckenden Fähigkeiten der Steinsinger in Euren Landen bewundern und ich könnte in meiner Bitte nach Unterstützung nicht mehr verlangen, als eine Handvoll dieser Meister für die Milderung des Unterkunftmangels an unserer Seite zu wissen.
Möge das Licht der Allgeliebten über Eure Pfade wachen Lorith

Freiherr Valerian von Sindelstein.


Zwei mal mußte er ihn lesen um ihn in seiner Gesamtheit zu begreifen und mit jedem Wort wurde er wütender und der Zorn belebte ihn.
Grollend warf er ihn zu Boden und drosch gedankenverloren auf den Rohling vor ihm ein.  Immer wieder, Schlag um Schlag bis er eine Hand auf seinem Arm spürte.
„Verzeiht, aber wenn ihr den Hammer noch mehr verbiegt wird er nutzlos“.
Erst da bemerkte er was er getan hatte und lies ab von der Arbeit und wollte gehen als sein Blick auf den Brief fiel. `Wo war Whenua als meine Leute gejagt und getötet wurden?´ dachte er wütend. `Warum sollten wir Verleumdern und Ehrlosen helfen´ zürnte er weiter…und doch kannte er die Antwort. Die Wut verrauchte und er nahm den Brief. Eine Stunde später betrat Lianus einen dunklen Raum und kniete sich auf ein Bein nieder. „Wirst du der alten Bräuche den nie müde mein Sohn?“ kam eine alte flüsternde Stimme. „Nur bei euch Vater, nur bei euch“ erwiderte er lächelnd stand auf und trat an das Bett des Ordensoberhauptes.
„Ein Brief erreichte mich Vater, ein Gesuch um Hilfe.“ ; „Ja?“ ; „Ja, und ich bin unsicher…..“ „Nein ich weiß das wir helfen müssen..aber“; „Aaaah laß mich raten, Whenua?“
Lianus zeigte eine überraschte Miene und der alte Mann lächelte  „Ich mag alte sein und in diesem Bett liegen mein Sohn, aber unterschätze meine Möglichkeiten zu keiner Zeit. Ich weiß das du eine Nachricht erhalten hast die aus Whenua kam und du beinahe eine Schmiede umgestaltet hattest nach dem du die Nachricht gelesen hast.“
„Was sollen wir tun? Wir wurden verleumdet…man verachtet uns und nun sollen wir ihnen helfen?“ fragte Lianus mit trauriger Stimme. „Ach mein Sohn, Kind des Feuers…du kennst die Antwort sonst wärst du nicht hier um meinen Segen zu haben. Wir werden Helfen den das ist unsere Bestimmung. Welches Schild wären wir wenn wir nicht schützen?“ eine Hand legte sich auf die von Lianus „Behalte unseren Glaubensgrundsatz im Herzen und werfe denen die uns verachten dies nicht vor. Sie wissen nichts von uns, sie kennen nicht die einst schönen Seiten unseres Volkes nicht. Woher auch…selbst ich beginne diese Tage zu vergessen. Krieger sind wir geworden durch und durch….doch unsere Natur soll immer noch Mitgefühl und die Hingabe für die Schwachen sein. Seid ihnen Vorbild, gebt ihnen Hoffnung….geh mein Kind und bring die Hoffnung und das Feuer des Lebens zu jenen die es benötigen egal wie sehr sie uns auch verachten mögen.“

5 Tage später stand Lianus vor den Toren Iloras.
Er legte in einem Ritus die Waffen vor den Toren ab und bis auf einen gewundenen Rock legte er seine Kleidung ab.
„TEMRA oris dea sel Ilora de bajala“ rief er laut und setzte sich in den Sand.
Ein halber Tag verging ohne das er sich von der Stelle bewegte bis sich endlich die Tore öffneten. 20 Nauris in prunkvollsten Rüstungen erschienen vor ihm und Kreisten ihn ein.
„TOLLE AKA DESA IKU?“ grollte der Anführer und blickte auf Lianus herab. Dieser blieb sitzen „Akal ja ibana“ „HOKEEE IBA SIU!“
Die Nauris formierten sich zu einem Wachgeleit und mit Lianus in ihrer Mitte betraten sie den Berg. Tief in den Hallen Iloras wurde für sie eine große Halle geöffnet mit einem gewaltigen Thron an ihrem Ende. Das Geleit entließ Lianus und er ging langsam und Respektvoll durch die Halle hin zu jenem Thron. „Du ehrst mich durch die Riten der Bittstellung“ hörte er eine tiefe Stimme dich durch die Halle dröhnte.
„Ihr ehrt mich durch euer gehör“ kam die respektvolle Antwort.
Der Zwerg auf dem Thron musterte Lianus für einen langen Moment finster bevor er zu grinsen begann und lachte. „Einem Tae-Inea das Gehör zu verweigern…da könnte ich meine Tore gleich selbst aus den Angeln reißen um euch die Arbeit zu ersparen…und das Ende wäre das gleiche“
feixte er und sprang vom Thron. „Ihr Kreaturen des Feuers würdet nicht so demütig zu mir kommen wenn ihr nicht etwas begehrt das so unverfroren ist das ich von vornherein nein sagen müßte.“  Wieder grinste der Temra von Ilora.  „Also werter Feuerkrieger….WAS willst du?“ Lianus lächelte ebenso und war froh über die direkte Art des Königs unter dem Berg.
„Ein ganzes Volk wurde vertrieben und leidet. Männer, Frauen…Obdachlos und ohne Hilfe. Ein Freund der Traleaner trat an uns heran ob wir ihnen helfen können Behausungen für Tausende zu bauen.“  „Mhm….“ Brummte der König  „Kommt zum Punkt…was hat das mit uns zu tun?“
„Die Steinsinger Temra, eure Steinsinger“ Der König verschluckte sich fast an einer Frucht die er sich von einem in der nähe stehenden Tische genommen hatte. „Wertes Langbein….ihr wollt mir sagen…ihr wollt unsere Kuras’tor in ein anderes Land schicken um dort….HÄUSER zu bauen?“ Er starrte Lianus fassungslos an. „Seit ihr euch überhaupt im Ansatz im klaren was ihr da erbittet?“ „Ja das bin ich. Mehr als ihr glaubt Temra. Mehr als ihr euch vorstellen könnt.“ Sagte Lianus. „Jeder Steinsinger der nicht hier ist wenn die Wälle angegriffen werden ist eine Öffnung die nicht geschlossen werden kann. Jeder fehlende Steinsinger im Krieg kann unser Untergang sein. Jeder Steinsinger ist eine Seltenheit wie ein einzelner Edelstein in einem Berg.“
„Und das trifft es noch nicht einmal im Ansatz TRALEANER!“ grollte der Nauris. „Es ist für uns schon schrecklich genug unsere Kuras’tor bei den Gefechten an den Mauern zu riskieren….es gibt einfach zu wenige von ihnen! Verflucht, alles aber das kann ich nicht tun. NEIN“ „Hike eba de sa i banalia du gene die barat“ flüsterte Lianus und es schien als gefriere dem König unter dem Berg die Züge ein. Lianus griff in seinen Rock und hielt dem Nauris etwas entgegen. „Ein Schwur ein Versprechen und eine Erfüllung.  Helft uns und ein Versprechen eurer Ahnen wird erfüllt“ „Narr, Wahnsinniger!“ grollte der König „Was wenn …. Ich gewähre euch 3 Meister“ sagte der König kalt. „MEISTER hört ihr und für jeden einzelnen steht ihr mir in der Schuld und im Schwur das sie zurück kehren….Lebend oder Tod“ Der König nahm was Lianus ihm hin hielt….blickte es lange an, steckte es ein und dreht sich um. „Deine Zeit ist um, geh und kehre nicht wieder zurück ohne meine Kinder des Berges“ Lianus verneigte sich vor dem König und ging.

 

Valerian nimmt den Brief entgegen und entlässt den Boten mit einem Nicken. Er bricht das im sehr bekannte Siegel und beginnt zu lesen.

Lorith Freiherr Valerian von Sindelstein

Im ersten Moment wollte ich euer Schreiben den Flammen übergeben, doch der Teil von mir…der traleanische Teil konnte es nicht. Es war klug von euch ein Bild der Schwachen und Hilflosen zu beschreiben dem keiner von uns sich verwehren kann. Wir waren, sind und bleiben bis man uns zur Gänze tilgt ein lebensbejahendes Volk das keinem leidendem Wesen seine Hilfe versagt, selbst wenn jene uns verachten. Es werden 3 Meister Steinsinger nach Whenua geschickt. Manchem mag das wenig erscheinen, jedoch sollte man bedenken das jeder fehlende Steinsinger unser eigenes Ende einläuten könnte. Wir riskieren viel und setzen unsere Krieger und Verbündete größere Risiken aus die uns, mögen die Mya-Inea uns beistehen, noch teuer zu stehen kommen könnten. Die Nauris werden auch Münzen bei sich haben da ich weiß das mit Geld in anderen Ländern mehr möglich ist als hier. Unsere Saatbauern haben viel Erfahrung mit dem Anbau von Pflanzen auf kargem Boden. Ein paar wenige haben sich bereit erklärt zu helfen und werden auch Saatgut mit sich führen. ABER und so sehr mich das schmerzt, dieses mal sind wir nicht so selbstlose Helfer wie wir es sonst in jeder anderen Stunde gewesen wären.

Wir haben Bedingungen.

1. Die Steinsinger werden von uns ausgewählten Wachen begleitet und wir wollen keinen einzigen Gardisten in Pfeilschussweite in der Nähe eines Steinsingers sehen.

2. Wir wünschen das jeder Mann und jede Frau erfährt von WEM diese Hilfe kommt und das dies nur möglich ist durch die Cyrsine Kirche die Leben über Anfeindung stellt.

UND das wir dafür unsere eigene Sicherheit riskieren um zu helfen.

3. Sollte einem Steinsinger etwas passieren wird der Leichnam nach Tralea gebracht. Sollte er durch jemand zu Schaden gekommen sein….wird uns diese Person übergeben.

4. Jede Art der Kooperation wird nur über die Cyrsine Kirche abgehandelt. Wir werden mit keiner anderen Einrichtung Whenuas zusammen arbeiten solange….nun…ich brauche wohl nicht mehr zu sagen.

Für diese Hilfe beuge ich ein wenig den Erlass des Ältestenrates und werde auch die Konsequenzen tragen. Keiner unserer Wächter wird sich in Kampfhandlungen einmischen sondern ausschließlich die Steinsinger schützen…vor alles und JEDEM. Hierfür werden sie von unseren Waffemeistern mit allem ausgestattet was dafür notwendig ist. Ihr selbst wißt wir kreativ wir aus unserer Not heraus geworden sind was das Entwerfen von Kriegsmaterial betrifft.  Nehmt dies als Botschaft für jene die sich über unseren Rat hinweg setzen das wir nur mit eurer Kirche arbeiten werden. Ich bin mir ziemlich sicher ihr wißt in welchen Konflikt ihr mich gebracht habt….aber dieser darf nicht auf dem Rücken jener Hilfesuchenden ausgefochten werden.

Lianus.

Nachdem er das Papier fertiggelesen hat, steht er gedankenverloren auf. Er tritt zu einem kleinen Schrank auf der Seite des Schreibtisches, nimmt ein Glas und eine Karaffe heraus, schenkt das Glas voll und wandert gedankenverloren zum Kamin, indem ein kleines, schwaches Feuer brennt. Er nimmt ein Scheit, legt es auf die sterbenden Flammen und schon wenige Augenblicke später beginnt das schwache Feuer gierig nach dem neuen Stück Holz zu lecken und eine wiedererstarkende Helligkeit breitet sich aus. Valerian starrt weiter in das immer fröhlicher flackernde Feuer, nippt an Glas und nickt. Er geht ein Risiko ein, doch nur durch Risiko lässt sich etwas gewinnen. Die Steinsinger werden also eintreffen, dann brauchen Sie als erstes eine feste Unterkunft....Es wird also begonnen in Sindelstein eine Basis zu bauen....diese kann weiterverwendet werden. seine Schwester hat da einen Vorschlag geäußert....dann die ersten Flüchtlinge...niemand weiss wie lange die Sperre um Ostarium dauern wird......Und dann...ja dieser teil gefällt ihm besonders...wird er aufgrund der Sperre zwei Steinsinger zurückschicken können. Dieser Eine wird reichen. Niemals könnte er verantworten noch mehr Leben zu riskieren. Valerian lächelt innerlich....jedes der Bauten wird das Zeichen von Tralea an der Seite des Eingangs tragen...und das Symbol des Clans, der es gebaut hat. Somit wird jeder, der darauf achtet erkennen, wem er dieses Gebäude zu verdanken hat. Die meisten werden es nicht verstehen, aber die, die es wissen müssen, werden es erkennen. Und auf der Sommerresidenz...wird es Gespräche geben, Gespräche welche klar machen werden wer geholfen hat...ohne auf Vergangenes einzugehen....Valerian sucht einen langen Augenblick nach den Fehlern in seinem Plan. Das Feuer hat das Holz mittlerweile vollständig verschlungen und nur weisse Asche mit ein wenig verteilter Glut ist übrig geblieben. Er erschauert leicht. Die Abende in Linsar sind noch immer ungewöhnlich kalt und gerade heute ist es besonders schlimm. Er schüttelt sich wach, stellt das Glas auf den Tisch und verlässt den Raum die Tür hinter sich schließend.